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Deutsch lernen unerwünscht?

Der Zulassungsstopp für freiwillige Integrationskurse

12.2.2026

Seit Ende 2025 hat das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) die Genehmigungen für die freiwillige Teilnahme an Integrationskursen faktisch ausgesetzt. Das bedeutet: Menschen, die nicht gesetzlich zur Teilnahme verpflichtet sind, erhalten derzeit keine neuen Berechtigungen mehr. Nach Schätzungen betrifft diese Entscheidung rund 40 bis 50 Prozent der bisherigen Kursteilnehmenden. Bis zu 130.000 Menschen könnten allein in diesem Jahr vom Zugang zu Sprachkursen ausgeschlossen werden.

Welche Gruppen die Aussetzung trifft
Der aktuelle Zulassungsstopp trifft vor allem Menschen, die sich ohnehin in unsicheren Lebenssituationen befinden. Dazu gehören:

  • Asylsuchende im laufenden Verfahren

  • Menschen mit einer Duldung

  • Geflüchtete aus der Ukraine, die kein Bürgergeld beziehen

  • Arbeitsmigrant:innen aus anderen EU-Staaten

Viele dieser Personen konnten bisher auf freiwilliger Basis an Integrationskursen teilnehmen. Nun bleibt ihnen oft nur die Möglichkeit, Kurse selbst zu finanzieren. Bei Kosten zwischen 1.500 und 2.000 Euro ist das für die meisten Betroffenen jedoch faktisch unmöglich.

Für viele Kursträger kam dieser Schritt überraschend. Die Folge: Klassen bleiben plötzlich halb leer, Kurse müssen verschoben oder ganz abgesagt werden, weil ohne diese Teilnehmenden keine ausreichende Gruppengröße erreicht wird.

Integration wird verlangt, aber der Zugang wird eingeschränkt
In politischen Debatten wird immer wieder betont, wie wichtig Integration sei. Von Zugewanderten wird erwartet, dass sie Deutsch lernen, sich gesellschaftlich einbringen und möglichst schnell am Arbeitsmarkt teilnehmen. Der aktuelle Zulassungsstopp sendet jedoch ein widersprüchliches Signal: Während diese Erwartungen formuliert werden, wird gleichzeitig einer großen Gruppe von Menschen, die genau diesen Weg gehen möchten, der Zugang zu zentralen Angeboten verwehrt. Viele Betroffene wollen Deutsch lernen, eine Ausbildung beginnen oder arbeiten. Ohne Sprachkurse fehlt ihnen jedoch oft eine der wichtigsten Voraussetzungen dafür.

Sprache ist mehr als ein Integrationsinstrument
Sprache ist jedoch weit mehr als nur eine Voraussetzung für den Arbeitsmarkt. Sprachkurse schaffen Struktur im Alltag, ermöglichen soziale Kontakte und vermitteln Orientierung und Perspektive. Gerade für Menschen, die Krieg, Verfolgung oder Flucht erlebt haben, kann eine solche stabile Tagesstruktur entscheidend sein. Fällt dieser Anker weg, drohen Perspektivlosigkeit, Isolation und eine Zunahme bereits bestehender psychischer Belastungen.