Ergebnisse aus drei Jahren Projektarbeit
Nach drei Jahren Projektlaufzeit liegen zentrale Ergebnisse aus dem AMIF-geförderten Projekt Hürden nehmen – Psychosoziale Versorgung für Geflüchtete vor. Die Zusammenarbeit der psychosozialen Zentren in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt unterstreicht, wie wichtig die Arbeit der PSZ ist. Gleichzeitig wird sichtbar, wie groß der Bedarf an psychosozialer Unterstützung für geflüchtete Menschen ist und wie begrenzt die bestehenden Regelversorgungsstrukturen bislang darauf reagieren.
Im Rahmen des Projekts arbeiten zwölf multiprofessionelle Teams aus Sozialarbeiter:innen, Psycholog:innen und (Fach-)Ärzt:innen für Psychiatrie zusammen. Sie unterstützten mehr als 1.300 geflüchtete Menschen und ermöglichten jährlich rund 1.000 Beratungstermine mit psychosozialer Beratung, Stabilisierung sowie Einzel- und Gruppenangeboten. Nur vereinzelt gelang die Weiterleitung in die psychotherapeutische Regelversorgung. Gleichzeitig wurde deutlich, wie entscheidend funktionierende Netzwerke sind. Dort, wo Behörden, Unterkünfte, Beratungsstellen, Kliniken und sozialpsychiatrische Dienste eng zusammenarbeiten, verbessert sich der Zugang zu Unterstützung spürbar.
Begleitend zum Projekt wurde durch die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg eine wissenschaftliche Studie durchgeführt. In Verbindung mit den Versorgungsdaten der beteiligten psychosozialen Zentren entstand ein umfassender Versorgungsbericht für Ostdeutschland. Die Ergebnisse zeigen einen deutlichen Zusammenhang zwischen prekären Wohnverhältnissen, sozialer Isolation und psychischer Belastung. Gleichzeitig erhalten nur 15 Prozent der psychisch belasteten Personen eine angemessene Versorgung.
Die Projektergebnisse machen deutlich, dass strukturelle Hürden weiterhin den Zugang zur Versorgung erschweren. Dazu zählen unter anderem eingeschränkte Zugänge zum Gesundheitssystem, fehlende Sprachmittlung, belastende Wohnsituationen sowie unsichere aufenthaltsrechtliche Perspektiven. Diese Bedingungen wirken sich unmittelbar auf die psychische Stabilisierung und die gesellschaftliche Teilhabe geflüchteter Menschen aus.
Gleichzeitig zeigt das Projekt, dass nachhaltige Verbesserungen nur durch kontinuierliche Arbeit möglich sind. Der Aufbau tragfähiger Versorgungsstrukturen, die Vernetzung mit der Regelversorgung und die Entwicklung gemeinsamer Konzepte benötigen Zeit und verlässliche Rahmenbedingungen. Ohne eine Verstetigung der Angebote droht wichtige Aufbauarbeit verloren zu gehen.
Das Projekt endet am 31. Mai 2026. Es macht deutlich, dass psychosoziale Zentren mit ihren spezialisierten Angeboten eine zentrale Rolle in der Versorgung geflüchteter Menschen einnehmen.